Wieso du für deine Schmerzen selbst verantwortlich bist.

In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Häufigkeit von chronischen Rückenschmerzen, deren Definitionen sowie dem Unterschied zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen. Außerdem stelle ich mir die Frage, was es bedeutet, dass man Schmerzen nicht sehen kann.

Das sagt die Literatur

Chronische Rückenschmerzen werden in unterschiedlichen Artikeln auch unterschiedlich beschrieben: Mal ist davon die Rede, dass Rückenschmerzen, die länger als 3 Monate anhalten, als chronisch zu bezeichnen sind, ein anderes Mal ist zu lesen, dass bereits nach einem Zeitraum von 12 Wochen andauernder Schmerzen oder mindestens an der Hälfte der Tage eines Jahres auftretenden Schmerzen von einer Chronifizierung gesprochen werden kann. An wieder anderer Stelle werden außer der Zeit noch viele weitere Faktoren mit einbezogen, um chronische Rückenschmerzen adäquat zu beschreiben.

Es ist also offensichtlich nicht so leicht, für sich selbst herauszufinden, ob die eigenen Rückenschmerzen nun schon chronisch sind oder nicht. Der Begriff „chronisch“ ist außerdem extrem negativ belastet. Mit chronischen Erkrankungen verbinden wir einen unwiederbringlichen Verlust an Gesundheit, der uns allen Angst macht. Wir wollen uns mit chronischen Schmerzen am liebsten gar nicht befassen. Doch möglicherweise sind chronische Rückenschmerzen viel häufiger als gedacht. In verschiedenen Quellen liest man zur Häufigkeit von chronischen Rückenschmerzen relativ niedrige Zahlen für Deutschland (zwischen 8-21%). Doch fasst man beispielsweise eine Umfrage aus den 90er Jahren (Croft et al. 1998) mit ein, erkennt man dass die Zahlen widersprüchlich zu sein scheinen. Denn in der genannten Umfrage wurden 170 PatientInnen, die wegen Rückenbeschwerden beim Arzt waren, ein Jahr später mit folgendem Ergebnis befragt: nur 25% der Befragten gab an, dass die Rückenschmerzen innerhalb eines Jahres nicht mehr wiedergekommen seien[1]. Auch in einer eigenen kleinen Umfrage bei Instagram habe ich ein ähnliches Ergebnis erzielt. Natürlich ist dies nicht repräsentativ, aber es ist trotzdem interessant, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen und herauszufinden, wie Menschen ihre Rückenschmerzen begreifen und wie sich das mit den Erkenntnissen aus den Studien deckt. Denn auch wenn Studien interessante, hilfreiche Zahlen liefern, hilft das den Rückenschmerz-PatientInnen erstmal nicht. Sie müssen trotzdem weiter mit den Schmerzen leben, ob sie nun chronisch, häufig oder selten, spezifisch oder unspezifisch sind.

Spezifisch oder unspezifisch?

Und damit sind wir auch schon beim nächsten Stichwort: unspezifische Rückenschmerzen. In der Literatur scheint zumindest an diesem Punkt Einigkeit zu bestehen: Unspezifische Rückenschmerzen (also die, die keinen eindeutig kausalen Zusammenhang zwischen Beschwerden, Bildgebung und klinischem Befund haben) sind deutlich häufiger als spezifische. Es ist also in den meisten Fällen von Rückenschmerzen keine eindeutige Ursache zu erkennen. Das stellt manchmal Ärzte vor unlösbare Aufgaben und beschert Rückenschmerz-PatientInnen ein Leben in Ungewissheit. In den meisten Fällen von unspezifischen Rückenschmerzen sind diese nur leicht und bedeuten keine langfristige Einschränkung für die Betroffenen. Doch in anderen Fällen sind sie stärker und bedürfen einer langfristigen Behandlung. Diese Behandlung spielt im Übrigen auch eine wichtige Rolle bei der Chronifizierung von Rückenschmerzen. Der Behandlungserfolg hängt auch immer maßgeblich davon ab, wie die betroffenen Person ihre Rückenschmerzen wahrnimmt und damit lebt: die selbstgewählte Einschränkung der Bewegung aus Angst vor dem Schmerz oder Schonhaltungen können den Weg in die Chronifizierung bedeuten. [2]

Es liegt an Dir.

Doch nicht nur die Mitarbeit der Betroffenen während der Behandlung ist ausschlaggebend, sondern auch wie diejenigen Schmerzen wahrnehmen, welche Verhaltensmuster sie zur Bewältigung von Schmerz erlernt haben, wie ihre Erfahrungen mit Schmerzen sind und wie die allgemeine psychische Verfassung sich darstellt. Schmerzen sind ein subjektives Geschehen, dass von anderen Menschen nicht einfach so erfasst werden kann: Man kann Schmerzen nicht sehen. Zwar kann man ein schmerzverzerrtes Gesicht wahrnehmen, doch den Schmerz an sich kann niemand nachfühlen. Unser eigenes Schmerzempfinden bzw. den persönlichen Umgang mit Schmerzen können wir nicht mit dem der anderen gleichsetzen. Genau wie bei allem im Leben, sind wir im Detail doch sehr unterschiedlich und dürfen daran festhalten, nicht von uns auf andere zu schließen.

Fazit

Studien oder wissenschaftliche Erkenntnisse sind wichtig und hilfreich für die Schmerzforschung. Nur durch sie können wir Schmerzen insgesamt besser verstehen und behandeln. Doch die Zahlen und Bezeichnungen helfen Dir, als betroffene Person, nicht weiter.

Besonders bei chronischen Schmerzen ist es für Dich essentiell, selbst die Verantwortung zu übernehmen, den Fokus auf dich selbst zu richten und stets bei dir zu bleiben. Wenn Du dich auf dich selbst konzentrierst und deinem Körper die Aufmerksamkeit schenkst, die er braucht, dann kannst du deine Wünsche und Bedürfnisse viel klarer formulieren und umsetzen. Halte dich nicht mit Fragen auf, deren Beantwortung dich nicht weiterbringen. Ob deine Schmerzen nun unspezifisch, spezifisch, chronisch, rezidivierend oder akut sind. Denke lösungs- und nicht problemorientiert!

In diesem Sinne,
Alles Gute und vor allem gute Besserung!

Julia

Quellen:
[1] Heuser, J. & Glombiewski, J.A. (2006). Chronische Rückenschmerzen. In W. Rief & N. Birbaumer (Ed.), Biofeedback. Stuttgart, New York: Schattauer.
[2] Reining, R. & Schweiger, A. (2006). Endlich weniger Schmerzen, TRIAS Stuttgart.

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