Meine Wunderwaffe gegen chronische Rückenschmerzen

Dieser Beitrag wird anders. Denke ich. Denn meine bisherigen Beiträge habe ich bewusst so objektiv und unverbindlich wie möglich formuliert. Ich möchte niemandem meine Sichtweise als DIE Wahrheit verkaufen, weil meine Geschichte mit chronischen Rückenschmerzen genauso einzigartig ist, wie jede andere auch. Meine Beiträge sollen stattdessen vielmehr ermutigen, sich selbst zu helfen, und Möglichkeiten aufzeigen, die jeder selbst umsetzen kann, um die Schmerzen zu lindern oder langfristig sogar loszuwerden.

Doch dieser Beitrag wird wie eingangs schon erwähnt, irgendwie etwas anders. Heute gibt es kein Vielleicht. Kein Möglicherweise und auch kein hätte, könnte, würde. Heute berichte ich von meiner „Wunderwaffe gegen chronische Rückenschmerzen“ und ich bin überzeugt, dass diese für ALLE Menschen mit chronischen Rückenschmerzen nützlich ist. Genau…“…ist“, nicht „…sein kann“.

Mein Plädoyer für mehr Selbstliebe

Selbstliebe, Selbstfürsorge, Selbsthilfe, selfcare, selfhelp….kommt es nur mir so vor, oder sind diese Begriffe immer noch irgendwie negativ behaftet? Bevor ich mich näher mit diesen Themen beschäftigt habe, kam es mir sehr komisch vor, sich selbst zu lieben. Ich dachte immer, dafür sind andere zuständig…die Freundin oder der Freund, die Eltern, der Ehepartner/die Ehepartnerin, andere nahestehende Menschen eben. Aber ich selbst? Ganz schön komische Vorstellung. Doch über die lange Zeit mit chronischen Rückenschmerzen änderte sich meine Sichtweise. Ich lernte eine sehr wichtige Lektion, die mein gesamtes Leben beeinflusst hat. Ich lernte, mich selbst zu achten und zu beschützen. Auf mich selbst aufzupassen und meine größte Unterstützung zu sein.

Irgendwann hat sich in mir Widerstand geregt. Widerstand gegen all die Anforderungen und Ansprüche, die sowohl von außen an mich herangetragen wurden als auch die, die ich an mich selbst stellte. Ich stellte mit Schrecken fest, wie oft ich mich innerlich selbst klein hielt. Ich glaubte, ich sei nicht genug. Nicht fleißig genug, nicht fit genug, nicht gesund genug, nicht was auch immer… Durch die massiven Einschränkungen die die chronischen Rückenschmerzen in meinen Alltag brachten, fühlte ich mich nutzlos und wertlos. Ich wollte niemandem zur Last fallen, wollte etwas leisten, so wie alle anderen auch. Hinzu kam, dass ich meinen sch**ß kaputten Rücken regelrecht hasste. „Wieso kann der nicht einfach vernünftig funktionieren?“ Doch auch gegen diese Einstellung regte sich irgendwann Widerstand. Ich stellte schlicht und einfach fest, dass sie mir nur noch mehr Leid und Schmerz bereitete. Diese zerstörerische Einstellung mir selbst gegenüber machte alles nur schlimmer. Zu der körperlichen Verspannung kam eine mentale Anspannung, die durch das ewige An-mir-selbst-Herumnörgeln ausgelöst wurde. Ich fühlte mich lange Zeit nicht gut genug und konnte mich selbst nicht akzeptieren wie ich war. Ich konnte die Schmerzen nicht akzeptieren. Doch so lange ich das nicht konnte, hat sich auch nichts verändert. Ich steckte fest zwischen „Ich kann nicht“ und „Ich muss aber“. Ein Glück, dass ich das irgendwann verstanden hab. Denn ich glaube, dass ich nur durch diese Erkenntnis überhaupt die Möglichkeit bekommen habe, wirklich etwas zu verändern. Nur weil ich angefangen habe, nicht mehr gegen mich selbst zu arbeiten sondern für mich, konnte ich mich schlussendlich von den Schmerzen befreien.

Heutzutage bin ich fest davon überzeugt, dass Selbstliebe (oder Selbstfürsorge, wie auch immer du es nennen möchtest), der wichtigste Grundstein für mein schmerzfreies Leben ist. Aus einer tiefen, unerschütterlichen Akzeptanz des eigenen Seins und dem Versprechen, rücksichts- und verständnisvoll mit sich selbst umgehen zu wollen, entsteht eine starke Basis, die Veränderungen möglich und Schmerzen erträglich macht.

Die Selbstliebe ist meine Wunderwaffe. Durch sie bin ich in der Lage, meine persönlichen Grenzen einzuhalten und diese auch nach außen zu kommunizieren. Ich traue mich, mir Pausen zu nehmen und Angebote abzulehnen. Ich lebe viel mehr für mich selbst, als früher. Das wirkt sich unmittelbar positiv auf meinen Rücken aus. Ich lerne, gewohnte Verhaltensmuster aufzulösen, wenn sie mir nicht gut tun und kann mir selbst mehr Ruhephasen gönnen. Außerdem empfinde ich mehr Freude an Sport und Bewegung, weil ich mich nicht mehr dazu zwinge, sondern mir bewusst erlaube, Zeit für mich selbst einzuplanen.

Und ich weiß jetzt, dass ich mich immer auf mich selbst verlassen kann. Dass ich mir selbst Schwächen und Fehler verzeihen kann und gleichzeitig auch stolz auf Verbesserungen sein kann. Ich nehme mich so, wie ich bin und finde mich selbst einfach gut. Klar, ich kann nicht alles, weiß nicht alles, bin bei weitem nicht perfekt. Aber das muss ich auch gar nicht sein.

Das Gleiche gilt auch für Dich

Wenn du lernst, dich selbst als wertvollen Mensch anzunehmen (trotz deiner Schmerzen und „Baustellen“), wirst du mehr Entscheidungen zu deinem eigenen Wohl treffen. Du wirst feststellen, dass du deine körperlichen und mentalen Grenzen besser wahrnimmst und sie dementsprechend immer seltener überschreitest. Du wirst erkennen, dass dein Wohlergehen das A und O deines Leben ist und dass du auch mit Erkrankungen oder Einschränkungen ein lebenswertes Leben führen kannst, so lange du es dir gestattest. Du wirst merken, wie oft du an Idealen und Vorstellungen festgehalten hast, die nicht der Realität entsprechen und die du weder erfüllen musst noch willst. Du wirst eine Leichtigkeit entwickeln, die dir auch in Krisensituationen nicht abhanden kommt, denn du weißt, dass du nicht unfehlbar bist.

Anstatt dich selbst für deinen Zustand und die Schmerzen fertig zu machen, solltest du lieber verständnisvoll mit dir selbst sein. Schließlich bist du nicht unfehlbar oder Superwoman. Du solltest nicht alles auf deinen Schultern austragen und dich auch noch dafür hassen, wenn du unter der Last zusammenbrichst. Und du solltest auch nicht darauf warten, dass jemand kommt und dir die Liebe und Zuneigung schenkt, die du dir selbst nicht geben willst oder kannst. Alles fängt bei dir an. Sei gut zu dir selbst und deinem Körper, damit er noch lange gesund und fit bleibt.
Akzeptiere, dass auch Krankheit, Erschöpfung und Fehlbarkeit zum Menschsein dazu gehören.
Versuche, die Ansprüche an dich und dein Leben, die dir von anderen oder den Medien entgegengebracht werden, kritisch zu hinterfragen. Denn besonders unsere hektische und moderne Welt, kann sehr zerstörerisch wirken.
Sei achtsam mit dir selbst und frage dich täglich, ob du genug Schlaf, genug gesundes Essen, genug Wasser, genug Bewegung und Entspannung hattest.

Nur wenn du dich um dich selbst gut kümmerst, hast du die Kraft, dein Leben zu leben und auch deine chronischen Schmerzen in den Griff zu bekommen. Das Gute ist nämlich, auf dich kannst du dich immer verlassen. Du kannst immer und in jeder Situation ein paar aufmunternde, tröstende oder motivierende Worte an dich selbst richten. Das tut nicht weh und bekommt auch keiner mit, aber es ist unglaublich heilsam. Mach dich nicht fertig. Sei gut zu dir selbst. Achte auf dich und deinen Körper. Du hast nur dieses eine Leben.

Ein Geständnis

Im Sinne der Selbstliebe, muss ich noch etwas gestehen: Der Titel ist etwas reißerisch formuliert und transportiert eine Message im Subtext, die mir eigentlich nicht gefällt. Aber ich gehe davon aus, dass meine Leser/innen reflektierte und intelligente Menschen sind, die auch mal eine reißerische Überschrift vertragen können. Außerdem habe ich hier ja unendlich viel Platz um alles zu erklären, was mir auf der Seele brennt. 😉 Die erwähnte, etwas unglückliche Message zwischen den Zeilen ist, dass man gegen seine Rückenschmerzen vorgehen muss. Mit einer Waffe…wie im Krieg. Solche Zeilen lese ich nicht allzu selten im Kontext mit chronischen Rückenschmerzen. In vielen Köpfen scheinen Rückenschmerzen noch als Feind zu existieren. Doch wenn du meinen Text bisher aufmerksam gelesen hast, wirst du festgestellt haben, dass ich diese Meinung eigentlich gar nicht vertrete. Chronische Rückenschmerzen sind ein Signal des Körpers, eine Aufforderung zum Handeln, der Stein des Anstoßes…wie auch immer du es formulieren möchtest. Aber niemals solltest du deine Schmerzen als Feind betrachten, denn sie sind Teil deines Körpers und den gilt es nicht zu bekämpfen, sondern zu unterstützen und gesund zu erhalten, wo es nur geht.
Wieso habe ich mich trotzdem für diesen Titel entschieden? Weil ich finde, dass er irgendwie passt. Ich finde, er sticht ins Auge und macht Lust, den Beitrag mal anzuschauen. Und das ist ja, was ich möchte. Hätte ich einen Titel, wie „Selbstliebe bei chronischen Rückenschmerzen“ gewählt, hättest du vielleicht gar kein Interesse gehabt, ihn zu lesen. Und die – wie ich finde, sehr wichtige- Quintessenz dieses Textes hätte dich vielleicht niemals erreicht. Außerdem gibt mir diese Überschrift die Möglichkeit, genau diese Zeilen hier zu schreiben und damit ein Verständnis dafür zu erwecken, dass auch Sprache unsere Wirklichkeit mitbestimmt. Wer seine Schmerzen als Feind betitelt, wird diese Einstellung mit der Zeit verinnerlichen und dementsprechend möglicherweise (ha! hier ist doch eins…) destruktiv mit dem eigenen Körper umgehen. So, Erklärmodus aus.

Alles Gute und vor allem gute Besserung!

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