Chronische Rückenschmerzen – was tun? Teil 1 Ablenkungsstrategien

Jeder kennt es wahrscheinlich: Beim Lesen eines guten Buches verblassen die Geräusche um uns herum. Wir sind völlig fokussiert und bekommen von der Außenwelt nicht mehr viel mit. Diesen Zustand kannst du dir zunutze machen, um deine Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen!

Doch fangen wir vorne an….

Mit dauerhaften oder immer wiederkehrenden Schmerzen neigen wir dazu, den Schmerz in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen. Wir fixieren uns so sehr darauf, dass alles andere um uns herum ausgeblendet wird. Wer lange Zeit an chronischen Schmerzen leidet, sieht irgendwann möglicherweise nichts mehr außer diese Schmerzen. In so einem Zustand sind depressiven Verstimmungen, einem Gefühl von Hilfslosigkeit und Verzweiflung Tür und Tor geöffnet. Der Schmerz hat die Kontrolle über unser Leben übernommen und verdrängt alles Angenehme und Schöne.

Doch glücklicherweise haben wir alle die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu kontrollieren. Wie in dem Beispiel zu Beginn beschrieben, gibt es Situationen, in denen wir unsere Aufmerksamkeit nur auf einen Punkt fokussieren und alles andere ausblenden. Das passiert automatisch zum Beispiel wenn uns etwas sehr interessiert. Aber auch in Schocksituationen, beispielsweise bei einem Unfall, kann es passieren, dass eine starke Verletzung zunächst überhaupt nicht schmerzt, weil wir so abgelenkt sind von anderen Umständen. In Experimenten haben Wissenschaftler gezeigt, dass Menschen unangenehme äußerliche Einflüsse (Schmerzen) besser und länger aushalten können, wenn sie dabei abgelenkt werden. Sie hielten Probanden dazu an, ihre Hand in kaltes Wasser zu legen und stellten fest, dass die Gruppe, die währenddessen mit verschiedenen Strategien abgelenkt wurde, ihre Hand wesentlich länger im Wasser halten konnte, als die Gruppe ohne Ablenkung.

Wie funktioniert dieser Mechanismus?

Es gehört zur ganz normalen Funktion unseres Gehirns, die unzähligen Reize, die täglich auf uns einprasseln zu filtern und eine Vielzahl davon auszublenden. Würde es das nicht tun, wären wir heillos überfordert. Sind wir in einer Gefahrensituation (Unfall), dann blendet unser Gehirn die Schmerzen vermutlich aus, um uns trotz der Verletzungen noch die Möglichkeit zur Flucht zu erhalten, damit unser Überleben gesichert ist.

Vereinfacht gesagt, können bestimmte Zonen unseres Gehirns Moleküle freisetzen, die natürlich vorkommenden Opiaten ähneln und dadurch in der Lage sind, Schmerzen zu hemmen. Durch die Nervenfasern für Emotionen, die neben den Schmerznerven liegen, wird die Ausschüttung dieser Moleküle angeregt und so der Schmerz gehemmt.

Ablenkungsstrategien gezielt anwenden

Um dem Schmerz also entkommen zu können, kann es helfen, dich davon abzulenken. Doch du solltest nicht darauf warten, dass zufällig eine Ablenkung daher kommt, sonder aktiv selber Strategien entwickeln, die dir zuverlässig helfen.

Überlege dazu, bei welchen Aktivitäten deine Schmerzen in den Hintergrund gerückt sind oder vielleicht sogar komplett ausgeblendet wurden. Das kann sein, wenn du…

  • ein Buch liest,
  • Musik hörst,
  • Sport machst,
  • ein Telefonat führst,
  • etwas schreibst,
  • ein Kreuzworträtsel machst,
  • dich mit deinem Haustier beschäftigst,
  • wandern gehst,
  • und so weiter…

Finde für dich persönlich die effektivsten Strategien heraus und notiere sie am Besten direkt. So kannst du auch in Situationen, in denen der Schmerz dich wieder in seinen Bann gezogen hat und du an fast nichts anderes mehr denken kannst, sicher darauf zurückgreifen.

Überlege dir außerdem neue Strategien, die helfen könnten und die du ausprobieren möchtest. Lass dich von anderen Menschen inspirieren und teste die verschiedenen Ideen, die dir kommen.

Um die verschiedenen Strategien, die du im Alltag möglicherweise schon anwendest, ohne es zu bemerken, hilft es sich täglich Notizen über deinen Zustand und deinen Tag zu machen. Was hast du getan, was die Schmerzen verschlimmert hat? Und bei welchen Aktivitäten waren die Schmerzen besser oder sogar gar nicht zu spüren?

Als kleine Hilfestellung habe ich ein Schmerztagebuch herausgegeben, mit dem du direkt loslegen kannst! Das Schmerztagebuch ist ein interaktives pdf-Dokument, das du direkt am PC oder dem Smartphone ausfüllen kannst. Trag dich einfach für den Newsletter ein und schon schicke ich dir dein Schmerztagebuch!

Viel Erfolg beim Ausprobieren 🙂

Quellen:
Reining/Schweiger (2006): Endlich weniger Schmerzen. TRIAS
Meier (2002): Schmerzen lindern und bewältigen. Beobachter
Schramm (2008): Chronische Schmerzen? Was kann ich tun,, um meine Schmerzen zu lindern und mit ihnen umzugehen. BoD

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