Rückenschmerzen und Achtsamkeit

Der Begriff „Achtsamkeit“ ist heutzutage in aller Munde und hat seine Wurzeln ursprünglich im Buddhismus. Es gibt verschiedene buddhistische Ausprägungen und ebenso unterschiedliche westliche Adaptionen, doch grundsätzlich geht das Konzept der Achtsamkeit mit vier essenziellen Bausteinen einher:

Erstens gilt es, seine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken und zu kontrollieren. Diese Fähigkeit ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt, kann aber durch entsprechendes Training verbessert werden. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, bestimmt maßgeblich, wie wir die Welt wahrnehmen und wie wir uns fühlen. Wir können lernen, uns nicht mehr mit unserer Aufmerksamkeit nur auf die schlechten Dinge in der Welt zu konzentrieren. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass wir die negativen Aspekte ignorieren oder gar leugnen. Wir lernen nur, unsere Aufmerksamkeit zu lenken und somit bewusst zu entscheiden, wie wir die Welt wahrnehmen. Es ist heutzutage sehr leicht, über den Zustand der Welt zu schimpfen oder darunter zu leiden, denn negative Schlagzeilen verkaufen sich gut und sind daher allgegenwärtig. Wir bekommen das Schlechte der Welt auf dem Präsentierteller serviert und müssen damit klar kommen. Hier kann die Achtsamkeit helfen, unsere Aufmerksamkeit auf das Gesamtbild zu lenken und auch wieder gute Dinge zu erkennen, die es ohne jede Frage gibt.

Zweitens gilt es, unsere Aufmerksamkeit dem gegenwärtigen Moment widmen. Es geht darum, sich nicht in der Vergangenheit oder Zukunft verlieren, sondern das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen. Oftmals neigen wir dazu, uns an Vergangenem festzuhalten oder Zukünftiges zu planen, dabei gibt es für uns lediglich die Gegenwart, denn Vergangenheit und Zukunft sind nur Illusionen, die wir nicht erleben können. Denn sobald die Zukunft da ist, ist sie lediglich die Gegenwart. Gedanken über die Zukunft und insbesondere Sorgen über das, was passieren könnte, belasten das Hier und Jetzt und vermiesen uns wortwörtlich die Stimmung. Ebenso kann das Grübeln über vergangene Fehler oder schlimme Ereignisse dazu führen, dass wir zweifeln, trauern und dabei vergessen, die Gegenwart zu leben.

Die Gegenwart und alles, was im Moment geschieht, vollständig zu akzeptieren und dabei nicht zu beurteilen oder zu bewerten, ist der dritte Baustein der Achtsamkeit. Um auch insbesondere schwierige Zeiten überstehen zu können, hilft es, das aktuelle Geschehen nicht zu bewerten, sondern einfach nur hinzusehen und es anzunehmen. Dies bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass man alles gut finden muss oder dass alles so bleiben soll, wie es ist. Es geht viel mehr darum, Unveränderliches zu akzeptieren und sich dadurch Leid zu ersparen, und andererseits Raum für Veränderungen zu schaffen. Denn oftmals verändert sich genau dann etwas, wenn wir aufgegeben haben dagegen anzukämpfen und stattdessen akzeptieren, was ist.

Viertens gilt es im Konzept der Achtsamkeit, einen sogenannten inneren Beobachter zu kultivieren, der es ermöglicht, sich von Identifikationen mit dem Geschehen frei zu machen. Dieser innere Beobachter (sozusagen Ich oder Du) nimmt alle Gedanken und Gefühle wahr und weiß trotzdem, dass sie ihm nichts anhaben können. Diese Vorstellung, kann sich wie ein Schutzschild auswirken, dass dich vor Angst und Leid schützen kann. Diesen Aspekt der Achtsamkeit zu erklären, fällt nicht so leicht, da er ziemlich abstrakt ist. Vielleicht hilft dieses schöne Sinnbild dabei: Gedanken und Emotionen sind wie Gäste in einem Gasthaus. Es gilt, sie zu empfangen und wieder gehen zu lassen.

Diese vier Konzepte im Alltag zu erlernen und anzuwenden, kann nicht nur helfen, den allgemeinen Stress besser zu verkraften, sondern hilft auch ganz konkret bei verschiedenen Problemlagen. Zum Beispiel wird es angewandt bei Born-Out, zur Stressreduzierung, bei Depressionen, Angstzuständen und – jetzt wird’s für Dich relevant – bei der Bewältigung von Schmerzen.

Wie hilft Achtsamkeit also bei chronischen Rückenschmerzen?

Etwas weiter oben habe ich schon beschrieben, dass mit Achtsamkeit ein gewisser Gleichmut kultiviert werden kann, der uns hilft, den gegenwärtigen Moment zu akzeptieren. Oftmals ist genau das die Voraussetzung, dass überhaupt eine Veränderung stattfinden kann. Wenn du lernst, die Schmerzen zu akzeptieren, dann kämpfst du nicht mehr blind dagegen an, sondern wirst wieder handlungsfähig. Du lernst, deine Gedanken frei zu machen und somit den Blick zu schärfen für Wege und Möglichkeiten, die dich vom Schmerz wegführen. Du akzeptierst, dass der Schmerz zwar da ist, aber dass du nicht nur aus Schmerz bestehst. Du gewinnen Abstand zum Schmerz, der dadurch weniger schlimm erscheint.

Außerdem kannst du mit Hilfe der Achtsamkeit das Schmerzempfinden tatsächlich senken, dies wurde wissenschaftlich erprobt. Der Kampf gegen die Schmerzen verursacht häufig ein viel größeres Leid, als der Schmerz an sich. Die starke Fokussierung auf die Schmerzen, lässt keinen Platz mehr für die guten Dinge im Leben, die aber zweifelsohne da sind.

Die Nicht-Identifizierung mit den Schmerzen, bietet dir einen mentalen Schutzschild. Die Rückenschmerzen sind da, du spürst sie genau, aber deinem eigentlichen Selbst können sie nichts anhaben. Dein Körper spürt sie, aber du bist nicht dein Körper und nicht dein Schmerz.

Mit Hilfe der Achtsamkeit können wir also folgendes erreichen:

  1. Wir lernen, die Schmerzen zu akzeptieren und machen so den Weg frei für Veränderungen.
  2. Wir lernen, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu steuern und somit vom Schmerz weg zu lenken.
  3. Wir lernen, uns nicht mit den Schmerzen zu identifizieren.

Darüber hinaus geht das Einüben von Achtsamkeit auch immer damit einher, dir etwas Zeit zu nehmen. Du bekommst ein paar Momente nur für dich, kannst dich entspannen und tust bewusst etwas für deine Gesundheit! Also probiere es einfach aus!

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