Richtig stehen

Was bedeutet „richtig stehen“ und kann man überhaupt „falsch stehen“? Wie beeinflusst die Art zu stehen deine Rückenschmerzen? Und wie kannst du deine Art zu stehen verbessern, um Schmerzen im Rücken dadurch vorzubeugen? Antworten auf diese Fragen bekommst du hier…

Kann man beim Stehen etwas falsch machen?

Tatsächlich kann eine schlechte Körperhaltung und zu langes Stehen eine negative Auswirkung auf deinen Rücken haben. Durch einseitige Belastungen, wenig Körperspannung oder dauerhaft angespannte Muskeln, können schnell Rückenschmerzen entstehen.
Vielleicht kennst du das von dir selbst: Du musst in einer Schlange warten und verlagerst während der Wartezeit immer wieder dein Gewicht. Manchmal belastest du den linken, dann wieder den rechten Fuß mehr, das jeweilige Standbein ist dabei stark durchgedrückt und trägt das meiste Gewicht deines Körpers. Deine Schultern hängen, dein Kopf ist gesenkt (weil du gerade auf deinem Handy diesen Beitrag liest ;D) und dein Rücken ist ganz rund. Vermutlich wirst du diese Körperhaltung nicht lange ertragen können. Schon nach kurzer Zeit kann es passieren, dass dir der Nacken oder der Rücken weh tut.

Das kommt dadurch, dass dein Körper durch diese Schonhaltung einzelne Bereiche massiv überbelastet. Durch den Blick auf dein Handy beispielsweise lastet ein extremer Druck auf deinem Nacken. Auch die einseitige Belastung des Standbeins und die extrem durchgedrückten Gelenke wirken sich negativ auf deine körperlichen Strukturen aus. So entstehen muskuläre Verspannungen, die sich auf den ganzen Körper ausbreiten können und Rückenschmerzen verursachen.

Die Aufgabe unseres Körpers

Im Laufe der Evolution hat sich unser Körper zu dem entwickelt, was er heute ist: Die schnelle technische und gesellschaftliche Weiterentwicklung zur heutigen Moderne hat unser Körper jedoch nicht mitgemacht. Wir sind noch immer auf die Aufgaben eingestellt, die vor etlichen Jahrhunderten wichtig waren. Damals war es überlebenswichtig, beweglich zu sein. Wir waren darauf angewiesen, täglich weite Strecken zurückzulegen, um z.B. Nahrung zu suchen. Es gab keine Supermärkte oder Lieferservices, die uns das Essen in Hülle und Fülle präsentiert. Wir mussten früher ständig in Bewegung bleiben, um unser Überleben zu sichern.

Heutzutage müssen die meisten von uns fürs Überleben nicht mehr hart körperlich arbeiten. Wir sitzen zu viel, laufen zu wenig –
kurz gesagt: wir sind ganz schön faul geworden – und auch für langes Herumstehen ist unser Körper nicht gebaut.

So kannst du es besser machen

Wenn du länger irgendwo stehen musst, ist es besser für deinen Rücken, folgende Punkte zu beachten:

  • Achte darauf, mit beiden Füßen fest auf dem Boden zu stehen. Am Besten ungefähr hüftbreit und mit leicht nach außen gedrehten Zehen. So werden deine Körperteile möglichst gleichmäßig belastet.
  • Deine Knie solltest du nicht komplett durchdrücken, sondern ganz leicht anwinkeln. Dadurch verbessert sich die gesamte Aufrichtung deiner Wirbelsäule und du trainierst ganz nebenbei deine Beinmuskeln. Probiere es einfach mal aus und spüre nach, welchen Unterschied es macht, mit durchgedrückten oder leicht angewinkelten Knien zu stehen.
  • Versuche, deine Schultern locker nach hinten zu nehmen. Sie sollten nicht nach oben gezogen werden oder nach vorne hängen, sondern so entspannt wie möglich in einer neutralen Position sein. Um diese zu finden, kannst du ein paar mal deine Schultern nach ganz oben in Richtung deiner Ohren ziehen, kurz halten und dann ganz nach unten Richtung Boden drücken. Dann ziehst du sie so weit nach vorne, wie du kannst, um sie danach so weit wie möglich nach hinten zu ziehen. Nachdem du das ein paar mal gemacht hast, solltest du eine entspannte Position für deine Schultern gefunden haben.
  • Dein Blick sollte nach vorne-oben gerichtet sein. Wenn möglich, solltest du es vermeiden, die ganze Zeit auf dein Handy zu schauen. Alternativ ist es aber auch schon ein großer Fortschritt, wenn du zwischendurch immer mal wieder ganz bewusst aufschaust und deinem Nacken ein paar Sekunden oder Minuten Entspannung gönnst.
  • Abschließend kannst du noch darauf achten, dass deine Hände entspannt neben deinem Körper hängen. Viele Menschen verschränken ihre Arme vor dem Körper, stützen sie in der Hüfte ab oder versenken ihre Hände in den Jacken- oder Hosentaschen. Das kann eine Gewohnheit sein, ist aber oft auch ein wichtiges Kommunikationsmittel im Umgang mit anderen Menschen. Durch unsere Körperhaltung signalisieren wir unbewusst, was in uns vorgeht. Verschränkte Arme können z.B. „Komm mir nicht zu nahe“ bedeuten. Daher kann es ganz schön schwierig sein, in jeder Situation die Arme einfach locker neben dem Körper hängen zu lassen. Probiere dich hier auch einfach wieder aus. Manchmal kann es in leicht aufregenden Situationen helfen, bewusst die Hände aus den Taschen zu nehmen, in eine aufrechte und selbstbewusst wirkende Körperhaltung zurückzufinden und den Blick gerade auf die Welt zu richten. Denn, wie du hier nachlesen kannst, hat unsere Körperhaltung auch einen massiven Einfluss auf unser Gefühlsleben.

Wie ein Baum im Wind

Wenn du die oben beschriebene Körperhaltung eingenommen hast, wirst du vielleicht etwas ungewohntes feststellen. Wenn es dir nicht sofort auffällt, versuche mal, genau hinein zu spüren. Was passiert eigentlich mit deinem Körper, wenn du einfach nur herumstehst?

Richtig! Er bewegt sich…nur ganz leicht, aber die Bewegungen sind deutlich zu spüren, sobald man sie einmal wahrgenommen hat. Immer wenn du aufrecht stehst, balanciert sich dein Körper unaufhörlich aus, um das Gleichgewicht zu halten. Versuche einmal, diese Bewegungen zuzulassen und schau, wie sie sich auf deinen Rücken auswirken. Bei mir bewirken sie nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Entspannung.

Wenn du ein achtsamer Beobachter deiner Umwelt bist, hast du vielleicht schon einmal bemerkt, dass sich Bäume auch dann leicht hin und her wiegen, wenn eigentlich kaum spürbar Wind da ist. Sie bewegen sich von links nach rechts, vor und zurück. Und genau so ist es bei dir auch, wenn du es zulässt.

In den Alltag mitnehmen

So, nun weißt du, dass man auch falsch stehen kann (zumindest im Bezug auf deinen Rücken und Rückenschmerzen) und hast Tipps bekommen, wie du es besser machen kannst. Versuche dich immer, wenn du lange Stehen musst, an diesen Beitrag zu erinnern und deine Haltung zu verbessern. Dann bist du einem rückengerechten Leben schon wieder ein Stück näher!

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